25. Dezember 2011
Seit mittlerweile fast drei Monaten unterrichte ich aktiv als unterstützender Lehrer an der Gebeya Dar Primary School. Dabei ist meine Hauptaufgabe, wie auch die meiner Freiwilligen-Kollegen Rahel und Klaas, sogenannte „Tutorial Lessons“ anzubieten. Dabei handelt es sich um eine Maßnahme, bei der Schüler außerhalb ihrer Schicht ihre Englischkenntnisse in freiwilligen Zusatzstunden verbessern können. Soweit so gut; soweit so illusorisch.
Zu Anfang war es an uns einen Plan für die Stunden zu erstellen, die wir anbieten wollten. Nachdem wir Evaluationsbögen aufgestellt hatten, wurden diese von den Schülern ausgefüllt. Diese als Orientierung verwendend, stellten wir einen Plan für die Stunden auf. Im Folgenden sollten Englischstunden für die fünften und sechsten, sowie für die siebten und achten Klassen angeboten werden. Wir hängten Pläne auf und informierten die Schüler beim täglichen Fahnenappell. Doch in unseren gemeinsamen ersten Stunden erschienen keine Schüler und erst nach und nach begannen einige Schüler aufzutauchen. Dies war keine wirkliche Überraschung, da wir bereits von unseren Vorgängern erfahren hatten, dass durchaus bis zu einem Monat lang keine Schüler erschienen waren. Wir ließen uns nicht entmutigen. Stattdessen begannen wir mit der intensiveren Vorbereitung unserer Stunden.
Recht schnell wurde für uns erkennbar, dass wir sozusagen mit dem kleinen Einmaleins würden beginnen müssen. Der Kenntnisstand der allermeisten Schüler würde keine hochtragenden Ausflüge in vielleicht spannende Zusatzgebiete der Grammatik oder ähnliches erlauben. Die sprichwörtlichen Basics würden definitiv unsere Hauptaufgabe werden. Das war die Beurteilung, die wir bereits nach kürzester Zeit für uns trafen. Daher wollten wir – gesetzt den Fall, dass Schüler erscheinen würden – mit der elementaren Grammatik beginnen. Dazu gehören für uns praxistaugliche und fürs Sprechen unverzichtbare Kapitel wie Fragesätze mit und ohne Hilfsverben, die Wortstellung im Satz, sowie die englischen Hilfsverben und deren Anwendung im Allgemeinen.
Dass wir diese Gebiete im Moment mit den Schülern angehen soll in keiner Weise bedeuten, dass beispielsweise Schüler in Deutschland diese besser beherrschen. Ganz im Gegenteil: oft genug sitzen diese Grundregeln der Grammatik auch in höheren Klassenstufen in Deutschland nicht sicher. Der markante Unterschied hingegen ist, dass hier das sprachliche Niveau mit den immensen Anforderungen des Unterrichts so eklatant auseinanderklafft.
Wir erhielten für unsere Stunden sogar eine eigens hergerichtete „Tutorial Class“. Seit dem Zeitpunkt, da einige Schüler erschienen, macht es mir auch umso größeren Spaß den Unterricht gemeinsam vorzubereiten und durchzuführen. Ich habe durchaus das Gefühl, für jene Schüler, die erscheinen, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Denn auch kann ich beobachten, dass sich nach und nach bei Einzelnen Verbesserungen einstellen. Dennoch kann ich nach einer solch kurzen Zeit weder einen Erfolg noch Misserfolg unseres Unterrichts erkennen oder vorwegnehmen.
Der Ablauf der Stunden folgt bisher einem verhältnismäßig verlässlichen Muster. Zu Beginn der Unterrichtsstunde erscheinen einzelne Schüler, einige Minuten danach erscheinen weitere. Dieser Zustrom an Schülern hält für gewöhnlich über die ganze Unterrichtszeit hinweg an. Bisweilen habe ich das Gefühl, keiner wisse um die aufgehängten Stundenpläne. Der Unterricht beginnt meist mit ausführlichen Erklärungen oder Wiederholungen an der Tafel, wobei wir bemüht sind viele Fragen zum Verständnis zu stellen und auch zuzulassen. Doch auch hier hakt es oftmals am Verständnis der Schüler. Es folgt meist der praktische Teil, während welchem die Schüler den durchgenommenen Stoff üben können. Dabei ist insbesondere die individuelle Hilfestellung sehr wichtig. Diese gestaltet sich jedoch wegen des zunehmend anschwellenden Lärmpegels als äußerst schwierig.
Mit den jüngeren Schülern der fünften und sechsten Klassen konzentrieren wir uns zunehmend auf das spielerische Lernen. Das heißt, dass Grammatik entweder gar nicht oder nur in geringen, leicht verdaulichen Mengen vermittelt wird. Der Schwerpunkt in der Arbeit mit den Kindern liegt auf verschiedenen Spielen, die den Wortschatz erweitern sollen, da dieser zumeist sehr gering ausgebildet ist. Dabei behandeln wir beispielsweise verschiedene Gebiete des Alltags, wie Kücheneinrichtung, Tiere, Körperteile, Kleidungsstücke etc. Hierbei versuchen wir möglichst oft einen Bezug zur Wirklichkeit herzustellen; d.h., dass wir die entsprechenden Gegenstände anzeigen (Körperteile, Kleidung) oder an die Tafel anmalen (Kücheneinrichtung, Tiere). Wichtig ist auf jeden Fall ein bildlicher und praktischer Bezug zu den Wörtern, die verschiedene Gegenstände repräsentieren.
Ein weiteres Anliegen ist es mir den Kindern durch ständiges Wiederholen die unregelmäßigen Verben beizubringen. Denn selbst, wenn sie deren Anwendung und Bedeutung noch nicht verstehen, ist es wichtig diese so zu vermitteln, dass sie jederzeit abrufbar sind.
Auch versuchen wir mit den Kindern einfache Sätze zu schreiben, wobei sie auch auf zuvor an die Tafel angeschriebene Muster zurückgreifen können. Wichtig ist es, die Satzstruktur zu verinnerlichen. Dazu lassen wir die Kinder viele Sätze der gleichen Art schreiben, wobei sie nur einfache Veränderungen vornehmen müssen. Beispielsweise: „The elephant is grey, the frog is green, the tiger is strong…“
Ein weiterer Einfall von Rahel, den wir umsetzten ist die Ernennung des „Schülers des Monats“. Ein Photo des entsprechenden Schülers wird in der Klasse aufgehängt und soll den Ehrgeiz der anderen anstacheln. Daneben erhalten alle Schüler, die zehnmal in Folge pünktlich zu unseren Stunden kommen ein Geschenk.
Diese Zusammenfassung soll einen kleinen Einblick in meine Arbeit in den Englischstunden vermitteln. Dabei fällt es mir nicht leicht mich kurz zu halten, da verschiedenste Dinge unberücksichtigt bleiben müssen. Die Beschreibung kann nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Situation wiedergeben.
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