11. Mai 2012
Mittlerweile sind es
über acht Monate, die ich hier in Äthiopien verbracht habe. Damit sind bereits
über zwei Drittel meines Auslandsdienstes vergangen. Nach verschiedenen
Reiseberichten ist es nun einmal wieder an der Zeit für einen allgemeinen
Bericht zu meiner Situation und Arbeit. Der immerwährende Alltag – welcher für
mich kaum mehr Besonderheiten birgt – mag für den entfernten Betrachter – bzw.
Leser – dennoch interessant erscheinen. Los geht’s!
Weiterhin gebe ich
an der Schule gemeinsam mit Rahel maßgeblich Englischunterricht für die 5. bis
8. Klasse. Insbesondere jene Schüler, die nun schon über Wochen und Monate
regelmäßig in unseren Unterricht kommen, habe ich ins Herz geschlossen. Man
lernt die Schüler kennen und die individuellen Eigenschaften jedes Einzelnen.
Besonders diese „Stammschüler“ sind es, die mir die Arbeit zu einem Vergnügen
machen.
Des Weiteren hat
sich verändert, dass unser Klassenraum nun seit zwei Wochen gestrichen ist.
Rahel, die Schüler der 7. Und 8. Klasse und ich haben die Wände in Gelb mit
einem orangenen Band gestrichen, nachdem wir sie weiß grundiert hatten. Im
gleichen Zeitraum bemalte Klaas mit seinen Kunstschülern die Rückwand der
Klasse mit einem farbenfrohen Bildstreifen. Unser ehemals gräulicher
Klassenraum steht nun den ach so herrlich ausgeschmückten Räumlichkeiten einer
Waldorfschule in keiner Weise mehr nach.
| Die älteren Schüler, Rahel und ich beim Streichen |
Nun – zum Wetter:
Seit einigen Wochen hat die sogenannte „Kleine Regenzeit“ Einzug gehalten und
beschert uns meist einmal täglich einen herrlichen Schauer, der bisweilen unser
Dach an undichten Stellen durchdringt. Inzwischen hat die Regenlast wieder ein
wenig nachgelassen, aber dennoch habe ich nie zuvor solch sintflutartige
Regenfälle gesehen wie in Äthiopien. Beginnen erst einmal die Wassermaßen durch
die unzureichend ausgebaute und mit Erde und Müll verstopfte Kanalisation zu
schießen, dann kommt die ganze Sch…. aus allen Löchern (auf der Straße versteht
sich) herausgeschossen. Mit dem Regen geht also auch immer ein schrecklicher
Gestank in verschiedenen Straßen der Stadt einher. Hinterher hat sich der
sandige Boden in Schlamm verwandelt und der aufgetriebene Müll liegt obenauf.
| Einige unserer jüngeren Schüler |
Was die tägliche
Verköstigung angeht, so pflegen wir des Öfteren (extrem oft) essen zu gehen.
Als ein marginaler, wenn auch nachvollziehbarer Grund sei angeführt, dass man
zu einer Pizza mit einem gefühlten Durchmesser von einem Meter für 3.00 €
einfach nicht nein sagen kann. Das Gleiche gilt für Lasagne, Burger und
natürlich die unbegrenzte Auswahl an traditionell äthiopischem Essen. Ich
persönlich lasse es mir gut gehen. Das Essen möchte ich nicht missen!
Auch abends gehe ich
gerne in mein Lieblingsrestaurant; das Palace.
Der Name lässt freilich nicht vermuten, dass es sich um ein sehr kleines und
fast ausschließlich von Einheimischen besuchtes Restaurant handelt. Hier treffe
ich mich des Öfteren mit Freunden, um mich zu unterhalten, zu essen und zu
trinken. Unschlagbar sind sie Shäkkäla T’ibs. Dabei
handelt es sich um Fleischstückchen, die auf einem kleinen Tonofen scharf
angebraten serviert werden. Als Beilage gibt es wie immer Injera. Dazu trinke ich mit Vorliebe einige Gläser Jambo, wobei es sich um stinknormales
Bier handelt.
| Der frisch gestrichene Klassenraum |
Das Lernen und der stetige Ausbau der amharischen Sprache machen mir weiterhin
großen Spaß und ich werde des Sprechens und Ausprobierens wohl nie überdrüssig
werden. Immer wieder lerne ich, insbesondere in den Gesprächen mit Freunden,
neue Kniffe, Wörter und Wendungen, die ich bei Gelegenheit selber gebrauchen
kann. Die Sprache ist vielfältig und hält viele komplizierte Gebilde bereit,
die ich wohl nie verstehen werde, aber dennoch reicht es für die grundlegende
Kommunikation. Einige nennen mich spaßeshalber Gonderee, was so viel wie Einwohner
von Gonder bedeutet. Gonder im mittleren Norden ist unter anderem auch als
eine der Heimatstätten des muttersprachlichen Amharisch bekannt, da es hier im
Süden keine historischen Wurzeln besitzt. Ich verstehe das als großes
Kompliment.
Das Lesen und Schreiben des
Amharischen geht auch zunehmend besser vonstatten, wenn ich auch von einem
flüssigen Gebrauch noch weit entfernt bin. Dennoch beherrsche ich inzwischen
die meisten der 238 Fidel („Buchstaben“),
mit Ausnahme der eher ungebräuchlichen Varianten verschiedener Laute.
Damit seiet ihr Wissbegierigen aus dem
fernen Deutschland – und vielleicht auch anderen Ländern – wieder einmal
unterrichtet und euer Durst nach der exotischen Fremde sei hiermit gestillet.
Ich weiß: pathetisch, aber ein gutes Ende!
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