14. November 2011
Hier in Äthiopien– so viel weiß ich nach beinahe drei Monaten – sind viele Dinge gar nicht so anders, als in Deutschland, aber auch ebenso viele Dinge im Alltag wirken kurios. Allemal gibt es viel zu schmunzeln. Auch gilt es, sich an viele Umstände anzupassen und zu gewöhnen.
Eine solche kuriose Alltagssituation ereignete sich neulich, als ich neulich wieder einmal zur Post ging. Um nicht eines Tages ohne passende Umschläge da zustehen, wollte ich einige Briefumschläge kaufen. Das Postamt ist ein älteres etwas heruntergekommenes Gebäude, in dessen Inneren sich einige Schalter befinden. Dahinter stapelt sich bisweilen die Post – tatsächlich in echten Postsäcken. Ich frage so gut ich kann auf Amharisch nach Briefumschlägen, doch die Antwort lautet: „Yälläm!“ – „Gibt es nicht“. Gut möglich, dass so etwas auch in Deutschland vorkommt, aber dennoch erscheint es mir eigenartig, dass das Postamt einer Zweihunderttausendeinwohnerstadt keine Briefumschläge hat. Zuletzt möchte ich meine Leser versichern, dass es sich hierbei nicht etwa um einen temporären Zustand gehandelt hat; nein! Selbst zwei Wochen später waren keine Briefumschläge erhältlich.
Dies war die Geschichte des Postamtes ohne Briefumschläge. Es folgt die Anekdote des Restaurants, in dem es kein Essen gab. Eines Abends entschließen wir drei Freiwilligen uns zum Essen ins Oasis Hotel zu gehen. Nachdem wir uns mühsam dazu durchgerungen haben, uns für eines der zahlreichen Gerichte zu entscheiden, können wir endlich bestellen. Nach einigen Minuten kommt der Kellner mit einem Lächeln auf den Lippen zurück: „Pizza yälläm.“ Wir entscheiden uns für ein Nudelgericht, doch schon nach wenigen Minuten kommt der Manager des Hotels, um uns mitzuteilen: „Pasta yälläm; I’ m sorry!“ Unsere Antwort: „So what do you have?“, worauf der Manager freundlich entgegnet: „Anything you like, just choose!“ Überflüssig zu erwähnen, dass wir uns dazu entschlossen auf ein Durchraten der Speisekarte zu verzichten und stattdessen Pommes bestellten. „Dinnitsch Chips allä?“, „allä!“
Prinzipiell ist es nicht selten, dass einzelne Gerichte der Speisekarte nicht verfügbar sind, doch ein solcher Fall ist mir bisher erst zweimal untergekommen. Dennoch, in den allermeisten Fällen ist das Essen – gesetzt den Fall es ist tatsächlich vorhanden – ausgezeichnet.
An dieser Stelle möchte ich zu der Schokolade übergehen, die keine Schokolade ist. Jüngst wandte sich eine Frau, die wir gut kennen an uns und fragte: „Wollt ihr äthiopische Schokolade probieren?“ Nun, es sah dem, was ich Schokolade zu nennen pflege zumindest entfernt ähnlich und daher entschloss ich mich, zu probieren. Womit ich nicht rechnete war, dass diese rein äußerliche Ähnlichkeit auch die einzige war. Der trocken-mehlige Geschmack nach Chili und Kardamon schickte meine Geschmacksnerven auf eine Achterbahnfahrt der unangenehmen Art. Mein ganz persönliches Fazit: Nicht alles was glänzt ist Gold!
Doch auch die hiesigen Importsupermärkte unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den mir bekannten. Beispielsweise arbeiten hier in einem Supermarkt der Größenordnung „Tante-Emma-Laden“ geschätzte sechs Leute. Diese sind eindeutig – auch in Ermangelung einer elektronischen Kasse – nicht voll ausgelastet. Wenn man mit seinen Produkten schließlich zur Kasse geht beginnt, das Schreiben des Kassenbons. Das kann – je nach Umfang des Einkaufs – gut und gerne einige Minuten in Anspruch nehmen. Auch eigentümlich ist, dass die Mehrwertsteuer von 15% erst hier auf die Waren aufgeschlagen wird.
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