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| Die prächtige Moschee von Gondar vor einigen Hütten |
18. März 2012
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| Die Piazza im Zentrum von Gondar |
Mit dem Minibus geht es früh morgens vom Busbahnhof in Bahir Dar los in Richtung Gondar. Wir fahren über hügeliges und zunehmend bergig werdendes, ausgesprochen trockenes Land. Die Straße ist ausgezeichnet, doch windet sie sich abenteuerlich an den steilen Hängen entlang. Unglücklicherweise besitzt unser Fahrer den Hang dazu, ständig auf der linken Straßenseite zu fahren. Dies trifft insbesondere auf die Kurven an den ansteigenden Hängen zu; dass es dabei keinerlei Möglichkeit gibt etwaigen Gegenverkehr auch nur auf kürzeste Entfernung zu sehen, ist kein Problem für ihn. Als wir schließlich die scharf gekrümmten Kurven an den Hängen entlang preschen, schwingt sich unser Fahrer zu ungeahnten Waghalsigkeiten auf. Die nicht einsehbaren Kurven – linkerhand Fels, rechterhand Abhang – werden mit ordentlich Tempo links genommen. Wenn dabei noch ein großer, langsamer Lastwagen bergauf um die Kurve fährt und die Sicht zusätzlich verdeckt, dann ist das nur das gewisse Extra. Nach der rasanten Fahrt kommen wir – doch wohlbehalten – in Gondar an, der alten abessinischen Königsstadt, die eingepfercht zwischen den Hügeln liegt. Die Piazza – das Stadtzentrum – ist bemerkenswert italienisch geprägt, war Äthiopien doch während des Zweiten Weltkriegs einige Jahre von Mussolinis Truppen besetzt. Die gelben Gebäude versetzen mich in die Szenerie einer italienischen Kleinstadt und auch das imperiale Flair der Mussolinizeit hat sich erhalten. Ein Hauch von Gemütlichkeit liegt in der Luft.
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| Nur einer der Paläste von Gondar |
Nach einiger Zeit quartieren wir uns mithilfe eines Einheimischen namens Dawit, den wir kennen gelernt haben, im „Gondar Hotel“ ein – definitiv eine der miesesten Absteigen der ganzen Stadt. Die Zimmer sehen modrig aus und die bestialisch stinkende Toilette hat diese Bezeichnung nun wirklich gar nicht verdient. Erst später erfahren wir, dass jede Nacht im Untergeschoss bis früh morgens laute Partys gefeiert werden, was das Schlafen zumindest nicht einfacher gestaltet. In Anbetracht dieser Entwicklungen belassen wir es beim Schlafen und erledigen auch den täglichen Toilettengang mit Zähneputzen im benachbarten Touristenhotel der Oberklasse.
Am Morgen des nächsten Tages machen wir uns auf zum Wahrzeichen der Stadt, das auch Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist – dem Gemp. Der Gemp ist ein mittelalterlicher Palastbezirk, der vier Prachtbauten verschiedener äthiopischer Könige beherbergt. Der größte von ihnen – Fasilidas‘ Castle – wurde mit Geldern der internationalen Gemeinschaft wiedererrichtet und erstrahlt so in alter Pracht. Ich anerkenne, was unser Führer erzählt, es handle sich um das „Camelot Afrikas“, mit dem Unterschied, dass Fasilidas‘ Castle Wirklichkeit sei und nicht ins Reich der Märchen zu verorten sei.
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| Fasilidas' Bad mit "Badeschloss" (?) |
Tatsächlich fühle ich mich im Schatten dieser großartigen Schlösser in eine andere Zeit, doch noch viel mehr an einen anderen Ort versetzt. Es gibt schlichtweg keinen Unterschied zu den Burgruinen, wie sie über ganz Europa verstreut zu finden sind. In der Tat hätte ich nicht damit gerechnet, so eine architektonische Leistung in den bergigen Tiefen des äthiopischen Hochlandes zu finden.
Darüber hinaus besuchen wir Fasilidas‘ Bad, welches aus einem Becken besteht, in dessen Mitte ein schmuckes Schlösschen auf Pilastern aufragt. Noch heute wird hier die rituelle Taufe am großen äthiopischen Feiertag Timket begangen. Auf einem der Hügel der Stadt können wir eine weitere berühmte Kirche besuchen. Selbstverständlich lassen es sich die organisierten Klosterbrüder nicht nehmen, uns für den Besuch ihres Gotteshauses abzuzocken. „Äthiopischer Pass, Resident ID, nein, so etwas kenne ich nicht!“ Trotz dieser Ärgerlichkeit ist das Innere der Kirche umso beeindruckender. Insbesondere die hölzerne Decke beeindruckt durch die unzähligen, aufgemalten Cherubien. Aber auch die anderen Wandmalereien geben weitere Einblicke in die sakrale Kunst der äthiopisch-orthodoxen Kirche der letzten Jahrhunderte.
Gondar war ein voller Erfolg, eine wunderschöne Stadt mit alten und sehr alten Gebäuden, hervorragendem Essen und einer Atmosphäre, die schlicht einzigartig ist. Gondar ist wohl eine der Städte, wenn nicht sogar die Stadt, die mir am besten gefallen hat, während wir durch den geschichtsträchtigen Norden reisten.
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| Blick über Gondar vom Goha Hotel aus |
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