Freitag, 16. März 2012

Reise in den Norden – Tis Abay



Die Nilfälle aus einiger Entfernung


 16. März 2012

Blick von der Portugiesischen Brücke
Am zweiten Tag in Bahir Dar machen wir uns am Morgen auf in Richtung Tis Abay. Das ist der Ort, an dem die in Äthiopien berühmten Wasserfälle des Blauen Nil – des Abay – liegen. Der Bus, den wir nehmen ist der bisher abgewrackteste. Diejenigen von uns, die hinten am Fenster sitzen, werden von einströmenden Abgasen schier erstickt. Des Weiteren fährt der Bus schwindelerregende 15 km/h bei gleichzeitigem Schlingern der Räder. Als wären dies bereits schlechte Omen gewesen, bleibt der Bus wenige Meter nach der Abbiegung auf die Landstraße nach Tis Abay stehen. Ein guter Start! Nach geraumer Zeit kommt ein Ersatzbus, der uns binnen etwa einer Stunde über die holperige Straße nach Tis Abay transportiert. Meine erste „wirklich afrikanische“ Busfahrt, wie ich sie vor meiner Ausreise vorgestellt hatte.
Vor den Nilfällen bei Tis Abay
Tis Abay ist ein verschlafener Ort und dank unserer äthiopischen Ausweise erhalten wir die Eintrittskarten zu den Nilfällen für einen Spottpreis. Auf dem Hinweg mit dem Bus haben wir bereits eine südkoreanische Urlauberin kennen gelernt und beschließen nun, gemeinsam die Rundwanderung zu unternehmen. Zunächst geht es aus dem Ort heraus und an dem alten Nilwasserkraftwerk vorüber, hin zur so genannten Portugiesischen Brücke. Angeblich wurde diese einst von den Portugiesen, die im Land waren, erbaut. Sie überspannt eine eindrucksvolle und schroffe Schlucht aus schwarzem Vulkanstein. Nur wenige Minuten zu Fuß liegen die Wasserfälle, die mit ihren beeindruckenden Wassermassen aus den Schleusen des Kraftwerks gespeist werden. Als wir nach weiterem Wandern die „echten“ Wasserfälle zu Gesicht bekommen, wird erst ersichtlich, dass jenes Kraftwerk ihnen jegliche Kraft genommen hat. Im Vergleich zu dem ersten Wasserfall ist es nur ein Rinnsal, das sich über die breitgestreckten Felsabbrüche ergießt. Zurück geht es über einige Felder, die mich landschaftlich ungeheuerlich an Griechenland erinnern. Zuletzt müssen wir den Nil oberhalb der Wasserfälle mithilfe eines alten Fährmanns überqueren.
Damit ist unser Tag an den Fällen des Blauen Nil schon beendet. Es war eine Wanderung mit vielfältigen Impressionen und grandiosen Naturschauspielen. Müde, ein wenig verbrannt und durchgeschüttelt von der „bumpy road“ kehren wir nach Bahir Dar zurück.

Der Wasserfall, der aus der Schleuse gespeist wird

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