Dienstag, 11. Oktober 2011

Die äthiopische Kaffeezeremonie



11. Oktober 2011

Hier in Äthiopien – dem Land des Kaffees gewissermaßen – besitzt die dazugehörige Zeremonie eine große Bedeutung. Bekannt ist, dass der Kaffee ursprünglich aus dem äthiopischen Hochland stammt. Uneinig sind sich viele darüber, ob er wirklich aus der sinnfällig klingenden Region Kaffa stammt. Allemal ist der traditionelle Kaffee – Bunna – fest in der hiesigen Kultur verwurzelt.
Ich beim Rösten der Kaffeebohnen
Kaffee erhält man hier auf dem städtischen Markt. Er wird nicht etwa wie in Deutschland geröstet, oder gar gemahlen verkauft, nein, er wird in Form hellgrüner Bohnen verkauft. Die frische Zubereitung zuhause ist unverzichtbarer Teil der Zeremonie. Ein Kilo der Bohnen besitzt immerhin den stattlichen Preis von umgerechnet vier Euro.
Bereits nach kurzer Zeit in Äthiopien habe ich einige der Zeremonien miterleben dürfen. Sie sind fester Teil und Ritus des täglichen Lebens. Eine junge Frau erzählte mir sogar, dass viele ältere Menschen den Kaffee nur annehmen, wenn die Zeremonie im Voraus stattgefunden hat, also der Duft nach gerösteten Bohnen und Weihrauch in der Luft liegt.
Die umfangreichste Zeremonie habe ich gemeinsam mit den anderen Freiwilligen bei dem ehemaligen Schulleiter der Gebeya Dar Primary School erlebt – Daniel Getachew. Vor einigen Tagen wurden wir erneut zu ihm eingeladen und er wollte uns eine ganze Zeremonie präsentieren. Einige seiner acht Geschwister waren auch anwesend, wobei seine Schwester Tutu im Hof den Kaffee zubereitete. Ihnen allen ist eine einmalige Gastfreundschaft zu Eigen!
Das Einschenken erfordert Fingerspitzengefühl!
Zuerst werden die Bohnen in einer Keramikpfanne ausgiebig gewaschen, von Hülsen und Spelzen befreit. Anschließend werden die Bohnen lange über der Glut eines portablen Metallofens geröstet. Unentwegt wendet Tutu mit einer Gabel die Bohne um, bis sie mit der Zeit dunkelbraune bis fast schwarze Farbe angenommen haben und glänzen. Der unvergleichbare Duft von frisch geröstetem Kaffee liegt in der Luft. Anschließend wird der Kaffee gemahlen. Normalerweise in einer kleinen elektrischen Mühle, für uns jedoch in einem traditionellen Mörser, der vielerorts noch heute Benutzt wird. Mit einer Eisenstange werden die Bohnen in dem hölzernen Gefäß gestampft, bis ein feiner Staub daraus geworden ist.
Nun ist alles bereit; der Kaffee kann aufgebrüht werden. In der traditionellen Kanne, der Jäbänna, brodelt es nun über offenem Feuer, bis der Duft des frischen Getränks aufsteigt. Währenddessen wird in einem kleinen Sockel der Weihrauch – der Әt’an – herangetragen. Dieser erfüllt mit seinem strengen, aber angenehmen Geruch die Luft und überdeckt sogar den Duft des frischen Kaffees. Was auch bei keiner Kaffeezeremonie fehlen darf ist die Beilage: Fəndəša. Dabei handelt es sich um nichts anderes, als gewöhnliches Popcorn, welches aber im Übrigen ausgezeichnet zu Kaffee passt! Es wird süß, als auch salzig gereicht, je nach Vorliebe des Gastgebers. Oftmals ist auch der Boden mit dem Heiligen Gras ausgelegt, welches einen frischen und würzigen, aber strengen Geruch aussendet.
Unser Gastgeber Daniel beim ersten Schluck
Endlich ist der Höhepunkt der Zeremonie erreicht! Der Kaffee wird sanft in die kleinen Tassen – die Sini – eingegossen, damit der Kaffeesatz in der Kanne zurückbleibt. Dazu wird meist viel Zucker in die Tasse gegeben – für europäische Verhältnisse im Übermaß. Einige Äthiopier schwären jedoch auch auf Kaffee mit Salz, was mir persönlich jedoch in keiner Weise zusagt.
Der Kaffee wird zwar üblicherweise nicht mit Milch getrunken, ist aber im Geschmack dennoch milder, als der, den ich aus Deutschland gewöhnt bin. Er hat nicht die bittere Note, die schwarzer Kaffee für mich in Deutschland stets hatte.
Somit bleibt mir nur zu sagen, dass ich mich auf viele weitere Kaffeezeremonien mit Popcorn freue. So kann es zwar leicht passieren, dass man fünf oder mehr Kaffee an einem Tag zu sich nimmt doch der vorzügliche Geschmack ist mir den Konsum eindeutig wert!

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