24. Oktober 2011
Wie bereits erwähnt kaufen wir viele unserer Lebensmittel auf dem Markt; oder besser gesagt, lassen sie uns von unserer Vermieterin mitbringen. Somit können wir beim Kochen aus einer Vielfalt von Obst und Gemüse wählen. Wir in unserer WG kochen bisher maßgeblich Gerichte aus Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln, aber auch Nudeln und Reis verschmähen wir nicht. Zusätzlich kann man eine Menge Früchte, wie etwa Mangos, Papayen, Bananen, Hop’i und Z’ehoi kaufen, woraus sich hervorragende Fruchtsäfte mixen lassen.
Aber auch das Essen in Restaurants ist für uns Freiwillige nichts Ungewöhnliches, zumal es weder signifikant teurer noch billiger ist, als zuhause zu kochen. In der Tat sind die Lebensmittelpreise auf dem Markt verhältnismäßig gering, aber in Relation dazu, um wie viel geringer die Einkommen hier in Äthiopien sind, sind sie extrem hoch. Insbesondere wenn man vergleicht, wie viel ein europäischer gegenüber einem äthiopischen Haushalt für Lebensmittel ausgibt!
Wir können hier aus einer großen Vielfalt von großen Luxusrestaurants bis hin zu kleinen Traditionellen Gasthäusern wählen. Beispielsweise im sogenannten Tadesse Enjory – welches Restaurant und Luxushotel vereint – lässt sich hervorragend – und meiner Meinung nach am besten – europäisch speisen. Diesen „Luxus“ leisten wir uns jedoch nur äußerst selten, um nicht zu sagen so gut wie nie. Doch das Wort Luxus ist in Bezug auf das auswärts Essen neu zu definieren, denn auch hier ist man mit Preisen von 70 bis 100 Birr – also umgerechnet drei bis vier Euro – ausgezeichnet bedient. Da unsere Verpflegungskosten aber an die einheimischen Preise gekoppelt sind, wird dies die Ausnahme bleiben.
Im Pinna – einem italienischen Restaurant – bekommt man weniger gutes „italienisches“, dafür aber umso besseres Habesha-Essen. Habesha ist hier der Begriff für alles, was aus Äthiopien stammt, das gilt für das Essen, die Menschen – einfach alles. Es besteht stets der Vergleich zwischen Habesha und Ferenji – also allem, was aus dem „Westen“ kommt. Im Pinna gibt es das meiner Meinung und bisherigen Erfahrung nach beste Bäyaynätu, also Injera – das Sauerteigfladenbrot – mit verschiedenen vegetarischen Soßen. Es ist ein typisches Fastenessen. Auch das Agilgil ist lecker. Dabei handelt es sich um einen Korb, welcher ursprünglich dem Transport diente. Darin sind Fladen gestapelt, zwischen denen sich verschiedene Soßen befinden; wir der Korb entleert, sieht es erst einmal sehr wüst aus, schmeckt aber köstlich.
Ein wunderschönes einheimisches Restaurant ist das Selam Café an der Piazza. Dort gibt es keine Speisekarten auf Englisch, sondern nur die einheimischen in Fidel – also der amharischen Silbenschrift. Wie in den meisten Restaurants gibt es Habesha-Essen, aber auch Ferenji-Gerichte, welche meistens aus Sandwiches, Burgern und ähnlichem bestehen. Hier, wie im Großteil der Restaurants – auch in den luxuriösen – ist es ratsam bei der Bestellung zu fragen, ob es das entsprechende Gericht gibt. Denn oftmals ereignet es sich, dass einzelne Speisen, oder gar weite Teile der Speisekarte nicht „verfügbar“ sind. Das läuft dann folgendermaßen ab: „Shiro allä?“ Die Kellnerin antwortet strahlend: „Yälläm!“ – „Gibt es nicht!“ Das Fragen kann in solcher Weise weitergehen. Die Alternative ist, zu fragen, was es denn an diesem Abend alles gibt. Uns passierte es neulich tatsächlich, dass von einer auffällig reichhaltigen Karte nur vier Gerichte verfügbar waren.
Das oben flüchtig in die Darstellung eingeflochtene Shiro ist bisher eines meiner liebsten einheimischen Gerichte. Es handelt sich um eine Soße aus Zwiebeln und selbst für europäische Verhältnisse mäßig scharfem Shiro-Pulver, welche brodelnd in einem kleinen Töpfchen mit Injera serviert wird. Alternativ gibt es auch Bozena Shiro mit Fleisch oder Shiro Feses mit extra viel Zwiebeln, was angesichts der Tatsache, dass das Gericht bereits zum Großteil aus Zwiebeln besteht, recht absurd erschient.
Hin und wieder kommt es an den Abenden zu Stromausfällen. Befindet man sich derzeit in einem Restaurant erhält man meistens eine Kerze und das Wort Candle Light Dinner erhält eine völlig neue Bedeutung. Es birgt durchaus eine romantische Komponente in sich, bei düsterem Kerzenschein mit Fingern verschiedenste Soßen in sein Injera einzuschlagen; das gewisse Extra dabei: Was man als nächstes in den Mund bekommt ist eine Überraschung.
Als eine weitere Zuverlässige Quelle für einheimisches Essen ist auch der Herd unserer Vermieterin zu bezeichnen. Hin und wieder lädt sie uns mittags zum Essen ein. Der Unterschied hier ist, dass das Essen meist schärfer ist als in den Restaurants, als habe man den Ferenjis ein ausgewählt „mildes“ Essen vorgesetzt.
Auch das Thema Trinken ist hier von großer Bedeutung, da man bei dem heißen Wetter seine tägliche Hydration erhöhen sollte. Hierbei liegt die Betonung allerdings auf sollte. Denn bisher habe ich das Gefühl, seit meiner Ankunft hier meinen Flüssigkeitskonsum drastisch herabgefahren zu haben. Das mag allerdings auch an der Tatsache liegen, dass jener inzwischen nahezu ausschließlich über die Einnahme von Fruchtsäften erfolgt, welche man hier an jeder Straßenecke finden kann. Viele kleine Saftbars, aber auch der überwiegende Teil der Restaurants, bieten Säfte aus den saisonalen Früchten Äthiopiens an. Derzeit werden in den einfacheren Läden hauptsächlich Avocado-, Mango- und Papayasaft angeboten. In den gehobenen Häusern werden aber auch andere – teils exotisch-fremde – Sorten angeboten. An den heißen Tagen hier gibt es oftmals nichts Erfrischenderes, als einen kühlen Orangenfruchtsaft – idealerweise eingenommen in einer frischen Brise am Randes des Awassa Sees.
Ein anders Getränk, das ich jüngst erst kennen lernen durfte, ist der sogenannte Bunna Bälawz, ein Latte Macchiato, welcher mit gemahlenen Erdnüssen aufgebrüht wurde. Ein köstlich süß-nussiges Erlebnis.
Auch der sogenannte Čai Bunna Spriss – eine Mischung aus Schwarztee und Kaffee wirkt sehr belebend. Der Geschmack ist völlig neu für mich, aber er hat etwas Angenehmes. Ein Freund riet mir dahingegen vom weitergehenden Konsum ab, da bei dem Getränk offenbar eine erhöhte Suchtgefahr besteht. Das kann ich mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen.
Ich hoffe, dass ich hiermit einen kleinen Einblick in die kulinarische Welt von Awassa geben konnte. Einerseits ist mir klar, dass ich nicht von allem schreiben kann, was ich esse und trinke; nebenbei gesagt wäre da auch unglaublich langweilig. Aber auf der anderen Seite ist mir ebenso klar, dass ich noch vieles mehr entdecken und sicherlich auch ausprobieren werde.
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