Samstag, 8. Oktober 2011

Awassa – die Stadt, in der ich lebe

 8. Oktober 2011

Klaas, Melanie, Rahel, Jürgen, Lisa, ich und Muriel

Zwar bin ich noch nicht lange hier, doch ich möchte einige erste Einblicke in die Stadt geben, in der ich das kommende Jahr über wohnen werde. Die Schule hat vor einer Woche begonnen; noch beobachten wir den Unterricht nur. Daher werde ich zu einem anderen Zeitpunkt über meine Schule berichten.
Der Eingang zu unserer Wohnung im Innenhof
Hier in Awassa wohne ich zusammen mit Rahel und Klaas in einer kleinen Wohnung im Bezirk zero amməst (Bezirk 05). Die Wohnung liegt innerhalb eines Compounds, das heißt, sie grenzt direkt an einen Innenhof, an dessen Rändern mehrere kleine Zimmer und Wohnungen liegen. An der Frontseite befindet sich ein Tor, welches den Blick hin zur Hauptstraße öffnet. Der Innenhof ist noch erdig, aber unsere Vermieterin Fek’erte lässt im Moment Gras pflanzen. Schatten spenden ein Papaya- und ein Avocado-Baum, auf welchen den Tag über, besonders jedoch am frühen Morgen Affen herum klettern. Nicht selten schreien und trampeln sie morgens auf dem Blechdach des Hauses und rauben mir den Schlaf. Jeder Essensrest, der im Hof zurückgelassen wird, wird von ihnen in kürzester Zeit ergriffen und geraubt. Des Weiteren wird im Hof hin und wieder über dem offenen Feuer gekocht, es werden Kaffeezeremonien abgehalten und es wird geschlachtet – bisher zwei Hähne vom Markt.
Blick über die Piazza in Richtung Monument
Der eigentliche Mittelpunkt von Awassa, wo viele Läden, Restaurants, Hotels und auch Zweige der Universität liegen, ist die Piazza. Es handelt sich nicht um einen Platz im eigentlichen Sinne, sondern um die gesamte Hauptstraße, die sich vom See bis zur St. Gabriels Church eine leichte Steigung emporstreckt. In der Mitte des Kreisverkehrs vor der prunkvollen Kirche befindet sich ein jüngst eingeweihtes Monument – ein hoher Kegel, der mit Mosaiken von traditionell gekleideten Kriegern besetzt und von einem Springbrunnen eingerahmt ist. Doch bereits jetzt sorgt das neue Wahrzeichen der Regionalhauptstadt für schlechte Stimmung, da es nur der Ethnie der Sidama gewidmet ist, sich aber sämtliche Völkerschaften von SNNPR hier vertreten sehen möchten.
Insbesondere die Piazza, aber auch die Straßen am See sind in gutem Zustand und ausgesprochen sauber. Am See gibt es eine Art Ferienanlage mit kleinen Häuschen, einem alten Swimming-Pool und einem ausgesprochen rustikalen Restaurant. Bis zu diesem Park kann man morgens hervorragend joggen und dort einige Dehnübungen vollbringen. Bäume säumen die etwas verwildert wirkende Parkanlage, aber es ist ein idyllisches Bild, das sich bietet.


Affenmutter mit Baby im Park am See
Nur einer von vielen exotischen Vögeln






















Im Hintergrund liegt der große See – der Hawassa Hayk. Etliche Vögel sitzen auf den Steinen am Wasser – Ibis und Marabu sind nur zwei Beispiele der Exoten. Auch weiß-schwarze Affen jagen über die Äste und fressen mir aus der Hand, als ich ihnen ein letztes Stück Injera „anbiete“.
Klaas und ich auf dem Hügel über der Stadt
Die tatsächliche Größe der Stadt erschließt sich jedoch nicht beim bloßen umherwandern durch die belebten Straßen. Wie ich feststellen konnte eignet sich dazu am besten eine Wanderung auf einen der Hügel, die sich am Rand der Stadt aus dem Boden erheben. Unweit von unserem Compound erhebt sich ein solcher Hügel. Wir schnallen uns einen Rucksack auf, ziehen die Wanderschuhe an und auf geht’s. Nach zehn Minuten sind Klaas und ich am Fuß des Hügels angekommen. Es ist nicht leicht einen Weg durch das üppige Gestrüpp zu finden. Nach einiger Zeit gelingt es uns dennoch und der steile Aufstieg durch Gebüsch und wilde Blumen beginnt. Es ist eine echte Herausforderung den steilen Felsen zu erklimmen. Oben angekommen bietet sich uns ein atemberaubender Blick über Awassa auf der einen, über den See auf der anderen Seite. Dieser legt sich mondsichelförmig um den Hügel und an den Rändern der Stadt entlang. Die Stadt selber ist flach, die wenigen mehrstöckigen Gebäude stechen nicht sonderlich hervor. Allemal ist es faszinierend zwei Seiten dieses Landes von einem Standpunkt aus sehen zu können. Im Osten erstreckt sich die aufstrebende, boomende Stadt. Neue Gebäude, Wohnblöcke und ein Krankenhaus. Auf der anderen Seite erstrecken sich Maisfelder über sanfte Hügel bis ans Seeufer; durchsetzt von kleinen Blechhütten. In weiterer Entfernung breitet sich die wunderbare äthiopische Landschaft wie ein Gemälde vor unseren Augen auf.

Dies waren nur einige wenige Eindrücke der vergangenen drei Wochen. Auch von meiner Seite sind sie nur ein winziger Einblick in eine mir neue und vielschichtige Lebenswelt. Dennoch hoffe ich, dass ich eine kleine Ahnung oder einen anklang des Lebens hier und meiner Umgebung vermitteln konnte. Auf bald!


Sonnenuntergang über dem Hawassa Hayk

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