31. August 2011
Nach rund sechs Stunden Flug ist es immer noch dunkel im Flugzeug, die kleinen Fenster sind geschlossen. Als ich den Fensterschieber nach oben hin öffne, ist über Äthiopien nur die schwarze Nacht zu erblicken. Aus 10.000 Metern Höhe ist kaum etwas zu erkennen; eine fein modellierte, vage zu erkennende Wolkendecke. Nur über der absolut ebenen Horizontlinie erstreckt sich ein feines orangenes Band, das den kommenden Sonnenaufgang ankündigt. Es ist mein erster afrikanischer Sonnenaufgang, betrachtet aus Flug ET 707 der Ethiopian Airlines im Anflug auf Addis Abeba. Immer stärker wird das Licht, es verändert nach und nach seine Farbe von Orange über verschiedenste Gelb- und Rottöne. Nach einigen Minuten wird die Horizontlinie von einigen Bergspitzen durchbrochen, die vor dem morgendlichen Licht ihre Silhouette abzeichnen und dem Morgengrauen ihren Umriss einbrennen. Das Land ist pechschwarz im Schatten der endenden Nacht.
| Sonnenaufgang über Äthiopien |
Nach der Ankunft am Bole Airport und der zum Glück zügigen Überwindung der Pass- und Zollkontrollen, werden wir von unserem weltwärts-Koordinator Jürgen abgeholt. Jürgen ist Diplom-Psychologe und hat das weltwärts-Programm in Äthiopien aufgebaut, er nimmt uns freundlich und in Ruhe in Empfang. Die Rucksäcke und Koffer werden auf den Pickup geladen, wir Freiwilligen steigen in einen Bus. Nun beginnt eine rasante Fahrt durch die Straßen von Addis Abeba. Die Eindrücke, die auf mich einstürzen sind so vielfältig und zahlreich, dass ich sie weder alle wahrnehmen, noch an dieser Stelle widergeben kann. Auf der einen Seite tauchen in mir Bilder der Stadt auf, die ich bereits von zuhause kannte. Auf der anderen Seite werden diese Bilder durch die mir dargebotene Realität ergänzt und teilweise ersetzt. Ich denke, dass es insbesondere die kleinen und unzähligen Details auf den Straßen sind; die Menschen, welche die Stadt mir so anderes erscheinen lassen, als ich sie mir zuvor ausgemalt hatte. Ich sauge die Eindrücke auf, die sich mir bieten. Einordnen kann ich sie noch immer nicht.
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| Landeanflug auf Addis Abeba |
Nachdem die Fahrt über teils geteerte, teils geschotterte und ausgewaschene Nebenstraßen weitergeht, kommen wir endlich im Guest House an. Ich kann kaum glauben, dass es erst acht Uhr morgens ist, der Flug hat mein Zeitgefühl durcheinandergebracht. Es gibt Frühstück auf „europäische Art“. Den restlichen Tag können wir uns ausruhen und im Guest House eingewöhnen – es wird für über zwei Wochen unser Zuhause sein.

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