Samstag, 24. September 2011

Markttag in Awassa


19. September 2011

Da Montag und Donnerstag Markttag in Awassa ist, nimmt unsere neue Vermieterin Fek’erte uns mit. Mit der Bajaj fahren wir zum Marktbezirk, der nur einige Querstraßen weiter liegt. Bajaj heißen die kleinen, blauen und dreirädrigen Gefährte, die hier zu jeder Zeit und auf jeder Straße massenweise anzutreffen sind. Die Fahrt ist meist billig, mit 1 bis 5 Birr – umgerechnet rund 4 bis 20 Euro-Cent – kommt man so gut wie überall in der Stadt hin.
Als wir auf dem Markt ankommen, werde ich von den vielen neuen Eindrücken überwältigt. Der Markt ist zwar voller Menschen, aber doch unvergleichlich viel übersichtlicher und ruhiger als der Mercato in Addis Abeba. Auf diesem Markt kann man noch ein Stück weit schlendern, ohne von den Menschenmassen weggerissen zu werden.
Fek’erte führt uns von Stand zu Stand, vorbei an etlichen Eseln, welche die Lasten tragen und vorüber an einem Mühl-Haus. Zuerst kaufen wir Eier, aber es sind nicht die großen europäischen Eier – die hier im Übrigen übermäßig teuer sind –, sondern so genannte Habesha-Eier; also einheimische Eier, die wesentlich kleiner sind. Anschließend gehen wir durch eine matschige Gasse, in der Hühner und Hähne verkauft werden zu einer Reihe von Getreideständen. Hier finden sich in großen Säcken aneinandergereiht vielerlei Körner und Getreide. Einige der Sorten sind mir unbekannt. Als ich Fek’erte nach Mehl frage erläutert sie, dass wir auf dem Markt Weizen kaufen, ihn zuhause waschen und anschließend zum Müller bringen würden. Das Mehl aus den Import-Supermärkten ist kaum erschwinglich.
Es geht weiter durch enge, schlammige Marktgassen, in denen wir frisches Gemüse und Obst zu – für europäische Verhältnisse – Billigpreisen erwerben können. Abgerechnet wird in Kilo und gehandelt wird knallhart; besonders unsere „Marktführerin“ Fek’erte ist eine solche Händlerin.
Nachdem wir auch Seife, Waschmittel und andere Dinge gekauft haben, machen wir uns – bepackt mit riesigen Plastiktüten – auf den Rückweg zum Bajaj-Wartestand. Kurzum spricht Fek’erte einen der umherlaufenden Schubkarrenfahrer an und mietet ihn. Er wird bepackt und es geht los durch die Menschenmenge. Der Schubkarren ist ein klappriges aus Holzstangen gebautes Gefährt – aber es tut, was es tun muss und erfüllt so zu Genüge seinen Zweck. Über den Markt laufen Kühe – scheinbar ohne irgendeinen Besitzer. Plötzlich stürmt eine Kuh durch die eng gedrängte Masse und wirft den Schubkarrenfahrer und mit ihm die Hälfte der Ladung in den Matsch. Die Menschen sind in Aufruhr. Allemal ist das ruhige Vieh nicht jederzeit ungefährlich.
Was ich von diesem Markt an Eindrücken mitnehme ist vielfältig. Oft sitzen an einem Stand fünf Frauen, um Eier zu verkaufen, aber ebenso oft findet man für drei Stände mit Glück einen einzigen Verkäufer. Es wird gehandelt und gefeilscht und die Menschen tauschen sich ständig über die jeweiligen aktuellen Preise aus. Es ist auch im täglichen Gespräch der Leute ein wichtiges Thema, sich danach zu erkundigen und sich auszutauschen, wie der Markt steht. Die Einheimischen wissen auf Anhieb, wo etwas und von welcher Qualität zu finden ist. Für uns Ferenji ist das – verständlicherweise – bislang ein Ding der Unmöglichkeit.

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